Andrea Willig unter Vertrag

Wir begrüßen Andrea Willig als neue Autorin in der „Edition Essentials-Familie“. Mit ihrem neuen Roman „Die Eule“ wird sie das Portfolio des Verlags um ein Genre erweitern. Andrea Willig hat Literatur, Linguistik & Philosophie in Heidelberg studiert – Schauplatz dieser wunderbaren Geschichte.

Meine ersten wilden Jahre liegen schon eine Weile zurück, es waren die 70er im rebellischen Heidelberg. Ich habe ein bisschen mitrevoluzzt, auf der Straße und in der Kneipe, träumte vom Schreiben im Palais Boisserée, in dem Goethe gewohnt hat, und bestand erstaunlicherweise trotzdem das Examen.

Dann wollte ich aussteigen, anders leben, „back to the roots“. Auf Ibiza mit Zisterne und ohne Strom, ganz zu schweigen von Telefon. Ein paar Winter später bestieg ich ein Flugzeug nach New York. Wenn es wirklich nicht ohne Geld geht, dann bitte schnell und viel. Man ließ mich nicht Teller waschen, also wurde nichts aus der Million. Ein richtiger Job musste her, ich war 30. Zurück in Heidelberg fing ich bei einem der brandneuen privaten Radiosender an, aus spannender Pionierarbeit wurde Beruf. Ich bekam eine Tochter, sie wurde groß – es ging alles sehr schnell.

Dann kam die Indienreise, Delhi, Mumbay, Varanasi, und mit ihr die Sinnkrise. Am Tag überwältigt von Farben, Hitze und Schmutz, in der Nacht heimgesucht von Fragen. Was ist aus dem Traum vom „anderen Leben“ geworden? Hatte ich nicht schreiben wollen?

In Goa, der letzten Station unserer Reise zu fünft, hing ich ein bisschen durch, Krise eben. Hat jemand „rumjammern“ gesagt? „Wenn du schreiben willst, tu es doch einfach! Wir könnten alle …“ Bettina, notierte den ersten Satz.

Zum Knattern des Ventilators lasen wir uns am nächsten Abend kurze Geschichten vor, aufregende Geschichten. Das war die Initialzündung. Der Kick-off zur neuen wilden Zeit, diesmal im Kopf. Ich schrieb weiter, nachts und am Wochenende, in jeder freien Minute. Mark Twain hatte recht: „Schreiben ist leicht. Man muss nur die falschen Wörter weglassen.“
Voilà „Die Eule“.